Vom Jetlag, den Anfängen und der Planlosigkeit

Ich habe euch warten lassen – lange warten lassen – aber es musste ja auch erst mal was passieren hier!

Die Flüge waren problemlos, weitestgehend bequem und ohne große Turbulenzen. Frankfurt-Shanghai im Airbus 380 ist natürlich nicht untoppbarn. Viel Platz, viel Ruhe, viel Unterhaltung im Bordprogramm und obendrein einen netten „Flugbegleiter“ auf dem Fensterplatz. Also bis auf das chinesische Frühstück (Nudeln mit Schweinehack um 6:30 Uhr) alles ein Träumchen!

Ab Shanghai war es dann etwas eng (zumal die chinesische Oma neben mir sich vor Körperkontakt nicht scheute) und das Essen wurde richtig grenzwertig – so habe ich geschlafen. Das Highlight des Fluges war definitiv das Safety-Video der All Blacks, was mir sofort gezeigt hat „du bist auf dem richtigen Weg, die haben Humor“. Schaut euch die Safety-Videos von Air New Zealand mal im Netz an, die sind irrecool.

Air New Zealand

Gremlin, der Rucksack, kam unbeschadet an und ich durfte ohne Probleme einreisen. Das schafft nicht jeder. Ein Apfel im Handgepäck führt hier schonmal schnell zu ner Menge Ärger, sprich 400$ Strafe. Zum Hostel habe ich mir dann einen Shuttle geleistet und somit meine „Reise in Armut“ auf den 2. Tag vertagt.

Im Hostel angekommen schlummerte ich noch auf der Couch im Wartebereich ein und habe mich dann, nachdem ich das Zimmer bekommen hatte, gezwungen das Bett erst gar nicht anzuschauen. Stattdessen wollte ich die Stadt erkunden. Wohin der direkte Weg führte, dürfte wohl klar sein oder? Und JA, ich habe geheult, als ich es gesehen habe. JA, wegen eines Fitnessstudios – ich stehe dazu!

Les Mills Studio
Les Mills Studio One, Auckland

So, Nummer eins auf meiner „muss-ich-unbedingt-sehen-Liste“ war geschafft und somit konnte der Regen beginnen – was er auch tat. Tag eins endete um 17 Uhr ohnmächtig im Bett und somit hätte Tag 2 dann um 8 Uhr am Sonntagmorgen fit losgehen können. Aber ich war nicht fit. Ich hatte eine Jetlag-Depression. Man muss hier ja auch mal das weniger Schöne erwähnen.

Ich starrte an die Decke und dachte mir: „Steffi, jetzt biste um die halbe Welt geflogen und was machst du da jetzt die nächsten 3 Monate ohne Geld?“. Die einzige Antwort darauf war ein knurrender Magen. Also aufraffen und Nahrungssuche aufnehmen. Jedoch war das nicht so einfach wie gedacht, denn außer, dass es an jeder Ecke von so kleinen China-Märkten wimmelt, die unfassbar teuer sind, war da nichts in Sicht. Von Minute zu Minute fiel meine Stimmung immer mehr den Keller und hätten mir nicht ein Croissant und ein Kaffee Erste Hilfe geleistet, wäre ich sicherlich heulend am Straßenrand gesessen – diese Mal dann nicht aus Freude. Erste Hürde gemeistert, Bauch voll, Blutzucker hoch, Stimmung wieder gut.

Zurück im Hostel traute ich mich dann in die Küche. Wenn man zum ersten Mal alleine unterwegs ist und in ein Hostel kommt, dann kostet das schon etwas Überwindung, denn schließlich sitzen da ja schon alle und kennen sich – ist, als würde man nen Tag zu spät im Ferienlager anreisen. An der Mikrowelle habe ich dann Tina kennengelernt – auch erst eingecheckt, auch eine Jetlagdepression am Start und auch vor 1985 geboren – also verdammt sympathisch! 🙂

Ab jetzt ging es bergauf.

Den Montag verbrachte ich, nach meinem Wechsel vom Einzel- ins Vierbettzimmer, da ich verlängert habe und wo schon Tina lag, mit einer Monstertour (zu Fuß) durch Auckland. Hoch auf den Mt. Eden (was einst ein Vulkan war), quer durch die superschönen Wohnviertel (jetzt ist mein Traum definitiv ein weißes Haus mit Veranda und Hollywoodschaukel) und runter ans Meer auf den Hobson Bay Walkway. Klingt nach einem Spaziergang am Wasser, aber tatsächlich war es teilweise eine Klettertour über Bäume, auf der mir tatsächlich keine Menschenseele begegnet ist, ich aber Bekanntschaft mit Ebbe und Flut machen musste. Tropf!

Mt. Eden
Mt. Eden

Weiter ging es ins Hafenviertel, wo ich diese gut 15-km-Tour mit Tina, einem Eis und Blick auf den Hafen beendete. Am Abend wurde gekocht, gegessen und dabei stellten wir fest, dass alle am Tisch planlos sind, wie und wohin ihre Reise verlaufen soll. Na Gott sei Dank bin ich mal nicht die Einzige ohne Plan. Um der Sache ein wenig Struktur zu verleihen (und uns zumindest für Silvester ein Dach überm Kopf zu sichern) haben wir Mädels für 4 Nächte 3 Betten in Nelson auf der Südinsel gebucht. Sprich jede macht jetzt mal irgendwas und spätestens dort treffen wir uns wieder. Und ja Tina, DU fährst Kajak während ich dich auf den Standup-Paddle überhole – das ist der Plan – und wir wollten ja einen Plan.

Tag 4

Heute kam mein „Flugbegleiter“ vom Frankfurt-Shanghai Flug hier im Hostel an. Witzig, wenn man bedenkt, wie viele Hostels diese Stadt hat. Da ab Mittwoch eher schlechtes Wetter gemeldet ist, musste der Tag genutzt werden. Es ging an meinen heiß ersehnten Strand nach Piha. Seit ich weiß, dass ich nach Neuseeland fliege war dieser Strand DAS Ziel und ich habe mich verrückt-gegooglet wie man da hinkommt mit dem Ergebnis: ohne Auto keine Chance. Und dann kam Chris, mit Auto, und hat Tina, Marc (den haben wir am Küchentisch aufgegabelt und sein Geburtsjahr passt ins Raster) und mich mitgenommen. Es hat sich absolut gelohnt, an dieser Idee so festzuhalten:

Piha Beach

Auf dem Rückweg haben wir noch eine kleine Abenteuerwanderung zu den Fairy Falls gemacht, was auch superschön war. So viel Grün und so viel Gezwitscher – da fühlt man sich glatt wie Alice im Wunderland. Zur Belohnung, für die gefühlten 1000 Treppenstufen bergab- und bergauf, gab es ein Festmahl : Pizzaaaaa.

Tag 5 – und noch immer in Auckland. Irgendwie komme ich nicht vom Fleck. Doch heute habe ich es nen Kilometer weiter geschafft, denn ich musste das Hostel wechseln, da das andere voll war. Jepp, da habe ich dann mal gesehen, wie eine Backpackerunterkunft auch sein kann. Würg. Immerhin nur ein 4-Bett-Zimmer (alternativ gab es in einer besseren Lodge ein 12-er, aber so weit bin ich noch nicht). Für heute war Regen gemeldet und somit stand nichts auf dem Plan. Der Regen blieb aus und so änderten wir den Plan. Für den letzten Abend in Auckland bot sich die Fähre nach Devonport an, um nochmal den herrlichen Blick über die Skyline der Stadt zu haben. Würde sagen: hat funktioniert.

Skyline Auckland
Auckland-Skyline

Nach einem Burger mit „grass fed beef“ trennten sich unsere Wege und mich erwartete ein Saunazimmer mit Käsefussaroma, welches dann von der „Hausherrin“ (ich glaube, die lebt seit Monaten in diesem Zimmer) noch mit einem Räucherstäbchen untermalt wurde. Eine Ohnmacht setzte ein und ich bin eben um 7 Uhr wohlbehalten erwacht.

Nun nutze ich die Morgenstund und das free Wi-Fi, um euch dieses Update zu schicken. Dann startet heute auch tatsächlich die Reise nach Neuseeland. Denn es gibt Auckland und es gibt Neuseeland, sagen zumindest die anderen Backpacker. Also glaube ich denen eben. Und meine Reise in die Armut geht los, denn in Auckland war mein Tagesbudget weit über dem Doppelten als geplant. Zumindest habe ich das große Glück, dass mein Flugbegleiter mich heute im Mietwagen mitnimmt. In Anbetracht der Tatsache, dass an meinem Rucksack außen so viele Dinge hängen, dass ich aussehe, als würde ich unter der Brücke wohnen, bin ich dankbar, dass ich erstmal noch vom Busfahren verschont bleibe. Paihia ruft, in der Bay of Island – es geht endlich ans Meer 😀

Die Kiwis sind unglaublich freundlich und haben einen tollen Humor. Es gibt hunderte Varianten von Grün und überall (und noch bin ich in der Stadt) zwitschern wild die Vögel. In der Luft ist immer eine Fliedernote, die manchmal leider dem Asia-Food-Geruch Platz machen muss. Es gibt kaum ein Haus, das keine Veranda hat. Im Park wird zu jeder Zeit Sport gemacht. Überhaupt sind hier alle sehr aktiv unterwegs. Backpacker lernt man am besten in der Küche kennen, was dazu führt, dass man alleine reist und doch nie alleine ist 🙂 Ihr seht, es geht mir gut, es gefällt mir und noch ist mir die Kohle nicht ausgegangen.

So schaut übrigens ein Backpacker-Kühlschrank aus 😀

Hostel-Kühlschrank

3 Monate – 2 Inseln – 16+3 Kilo Gepäck – es geht los

So etwa muss sich Heinz Sielmann vor seiner ersten „Expedition ins Tierreich“ gefühlt haben. Die Wohnorte der Pinguine und Glühwürmchen sind auf der Landkarte markiert, ein Kiwi baumelt am Rucksack (damit ich ihn auch erkenne, wenn er meinen Weg kreuzt), das Ultraleichtzelt (und ja, das ist in den 16 Kilo schon inklusive) ist aufbauerprobt. Taschenmesser, Karabiner und Sandfliegenabwehrlotion griffbereit verpackt und außer einem Miniglätteeisen (ja sorry, auch ich habe eine Girlie-Seite, die ab und an mal raus muss) gibt es keine Luxus-Reise-Utensilien. Das Schwerste ist tatsächlich der Reiseführer. Aber da ich bisher nicht zu mehr gekommen bin, als die Fotos anzuschauen, muss er erstmal ne Weile mitreisen (oder ich lerne ihn bei meinen 2 x 12 Flugstunden komplett auswendig). Ich sehe es schon kommen, dass ich am Ende einfach 3 Monate schlafend an ein und demselben Traumstrand verbringen werde – aber auch das ist besser als Schnee in Bayern (der ja auch schon auf dem Weg ist).

Ich bin gerührt von euren vielen, süßen Abschiedsnachrichten (aber ihr wisst schon, dass ich wieder komme?!). Danke!

Schickt mir morgen nochmal eure Gedanken, wenn ich mich dann auf dem Flug Frankfurt-Shanghai sicherlich im Airbus 380 verlaufen werde (was mir sonst eher auf der Balearenfähre passiert). Und drückt mir die Daumen, dass das Gepäck in die gleiche Richtung fliegt wie ich!

In diesem Sinne hört ihr wieder von mir, wenn ich das andere Ende der Erde erreicht habe.
Eure Effi

Auf was ich mich wirklich freue …

In 17 Tagen geht es los. 17 Tage – wow das ist nun wirklich nicht mehr lange, um noch den Rest meiner To-do-Liste zu bewältigen und die große Leere in der Reisekasse etwas zu füllen.

Aber mein Motto lautet: Mut zur Lücke!

Ich muss den Reiseführer weder gelesen noch verstanden haben. Ich muss alle Eventualitäten weder bedacht noch innerlich durchgespielt haben. Ich muss weder wissen, wie das Wetter dort ist, noch wo sich der aktuelle Wechselkurs gerade befindet.

Es wird kein Urlaub, sondern eine Reise. Das ist ein großer Unterschied.

Natürlich kann man in Neuseeland unglaubliche Dinge erleben. Von gigantischen Wanderungen (Great NZ Walks) , allen Aktivitäten, die der Extremsport bietet (dafür sind die Kiwis bekannt), wunderschöne Strandausflüge, Hop-on-Hop-off-Touren durch die Metropole, Wale beobachten, mit Delfinen schwimmen, sich an Pinguine und Kiwis anpirschen, Baden in heißen Quellen, Fjordlandschaften erkunden, die Füße am schwarzen Lavastrand verbrennen, die Füße am Gletscher wieder abkühlen, einzigartige Vögel, Bäume und Farne fotografieren und sich den Bauch mit Meeresgetier, Kiwis oder anderen Köstlichkeiten vollschlagen. Klingt alles unfassbar geil – aber dann hätte ich A) einen Geldtransporter überfallen oder B) nochmal 3 Jahre sparen müssen. Beides keine Alternative für jemanden wie mich, der alle Ideen SoFoRt umsetzen will (bzw. einen zu großen Freiheitsdrang hat, um in einer Knastzelle zu versauern).

Der Plan (den es eigentlich nicht gibt und auch nie gegeben hat) lautet wie folgt: Es wird eine Reise ans andere Ende der Welt und eine Reise zu mir selbst (deshalb auch der Blogname „How i met myself“). Mein persönlicher Jakobsweg. Natürlich will ich auch meine Zehe im schwarzen Sand verbuddeln und bei Nacht im Gebüsch auf einen Kiwi lauern während über mir die Glühwürmchen leuchten. Aber viel interessanter für mich wird es sein, meine Grenzen kennen zu lernen und über diese hinaus zu wachsen. Menschen zu treffen und durch sie zu lernen, mich zu verirren, mich treiben zu lassen und SERENDIPITY (den „glücklichen Zufall“) zu erleben.

Also erwartet hier keinen Reisebericht mit Wow-Erlebnissen zum Nachmachen – oder vielleicht sind gerade das hier die Wow-Erlebnisse, die man sich viel öfter trauen sollte (nach) zu machen, denn kann etwas spannender und nachhaltiger sein als zu sich selbst zu reisen?

…vielleicht erlebe ich aber auch gar nichts Spannendes und komme in 3 Monaten mit nem fetten Sonnenbrand und ausgeschlafen für die neue Saison zurück 🙂

In diesem Sinne schreibe ich jetzt noch die Sonnencreme LSF 50 auf die Packliste und melde mich die Tage wieder – Eure Effi

Aus dem Schwarzwald hat mich noch ein weiterer Reisebegleiter erreicht (siehe Titelbild): Brigitte-Barbara-Olga-Marilyn Schmuuunk (der Name hat eine jahrelange Bedeutung und ich hoffe, ich kann ihn mir merken 😀

29 Tage – ready for the woop woops

Unter 30 Tagen angekommen im Countdown … ich denke, das ist einen Eintrag wert.

Bei all meinen Vorbereitungen habe ich gleich mal einen neuen Lieblingsbegriff entdeckt (New Zealand-Slang – klaro!): The woop woops.

Was so viel bedeutet wie „fernab der Zivilisation – in the middle of nowhere – in der Pampa …“ – klar kommt das aus Neuseeland, denn wo sonst könnte man in the woop woops landen?

Noch etwas sehr schönes, was ich gelernt habe: Neuseeland hat drei (!) offizielle Amtssprachen: Englisch, Maori(sch) und neuseeländische Gebärdensprache (seit 2006 die weltweit erste Sprache für Gehörlose, die diesen Status besitzt). Also „mein Name ist Effi“ kann ich schon 😀

So, das war ein kleiner Zwischenbericht von der Umzugskartons- und Planungsfront . Nun werde ich mich tanzenderweise weiter auf die Reise vorbereiten (Bodyjam-Time) und danach auf die Ankunft von Marty McFly und Doc Brown warten.

kia tūtaki *

*das war Maori für bis später

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit …

Bevor ich euch erzähle, wohin es geht, warum, wie lange … und und und … stelle ich euch zuerst meine Reisebegleitung vor: Erika und Summer-Nepomuk

Ein bisschen Märchen sollte man immer dabei haben, darum ein Einhorn.

Summer-Nepomuk steht zum einen dafür, dass ich zweimal Sommer habe in 2015, er ist das Nationaltier meines Reiseziels (mit etwas Fantasie) und Nepomuk ist einfach ein lässiger Name 😀