Rosafarbene Dramen

Tadaaaaaaa! Da ist es also endlich. Mein Buch. Zum Anfassen (und Lesen). Überall bestellbar, sogar im Ausland (aber noch nicht auf ausländisch). Ich schrei mal kurz … ahhhhhhhhhhhhhhhhh … so jetzt ist’s besser.

https://rosafarbenedramen.ch/das-buch/

Es hat mich graue Haare und schlaflose Nächte gekostet. Und Geld. Aber ja, was nimmt man nicht alles hin für die Erfüllung eines Traums. Und es war mein Traum, endlich mal meine Gedanken in die Welt hinauszuposaunen. Egal ob sie jemanden interessieren (haha).

„Warum Lyrik?“, fragen sich womöglich viele bis alle – ich inklusive. Ich war ja nie eine Poetin. Ich komme aus O-hofen, sorry, aber dort ist es weit her mit Poesie, Lyrik und anderem „hochgstochene Schissdreck“. Diese Sprüche sind eher so passiert. Fast schon aus Versehen haben sie sich in meine Texte eingeschlichen und haben mir so viel bedeutet, dass ich der Meinung bin: Sie verdienen etwas Eigenes. Und hier sind sie nun, meine ROSAFARBENEN DRAMEN.

Ich freue mich natürlich über jeden Kauf, über jedes Feedback und über jede Online-Bewertung (vor allem beim großen A sind die natürlich hilfreich – sofern gut 😉 ). Viele haben schon gefragt, wie es mit Widmungen aussieht. Da die Bücher über Books on demand produziert werden (dort im Shop auch portofrei bestellbar), also Druck nach Bestellung, ist das etwas kompliziert. Aber wenn ihr mich das nächste Mal trefft, bringe ich meinen rosafarbenen Stift mit und kitzel euch was Nettes rein.

Und nun noch ein Zitat aus meinem Buch:

zwischen wahrheit

und realität

liegt manchmal

die ganze welt

Dies trifft auf so vieles im Leben zu und unter anderem eben auch auf das, was ein Autor zu Papier bringt (und ich liebe es eben, eine Dramaqueen zu sein).

Ich wünsche euch ein feuchtfröhliches Lesevergnügen und freue mich auf eure Reaktionen.

Eure Effi

Was machst du gerade?

Keine Angst, jetzt kommt kein Blogbeitrag zu Corona. Darüber lesen und hören wir gerade schon 24/7. Dazu ist bereits alles gesagt.

Vielmehr geht es um das Leben in diesen, sehr besonderen, Tagen. Ich sitze in meinem Kinderzimmer, tatsächlich sieht mein Rückzugsort aus, wie früher meine Kinderzimmer (als Scheidungskind hatte ich natürlich zwei davon) ausgesehen haben. Viele Dinge von damals haben es sogar hier rein geschafft. Nein ich bin kein Messi, aber ich stehe einfach auf Erinnerungen.

Seit Samstag bin ich von morgens bis abends hier und klicke mich durch oldschool Playlisten, lustige Fotos und lese in alten Tagebüchern (Januar 1994: „Wir haben einen Neuen in die Klasse bekommen, er ist schon 15, fährt Mofa und raucht“). Ich könnte auch vor den TV liegen, aber dann bekomme ich Rückenschmerzen und nen dicken Bauch vom Chipsfressen. Außerdem habe ich endlich die Steuerunterlagen sortiert, den Laptop auf Vordermann gebracht und einen Berg Bügelwäsche, samt Bügelbrett, ins Wohnzimmer vor den Fernseher geschoben (am Samstag soll es regnen).

Zum Glück bin ich schon immer gut darin, mich drinnen zu beschäftigen. Ich bin gerne ein Stubenhocker, Mama hat mich früher schon Eremit genannt. Der Tag fliegt vorbei und ich habe abends tausend neue Ideen für den Nächsten. Aber Tage und Wochen ohne Input …?

Wenn man in einer Stadt wohnt, und einen Balkon hat, ist das sicher sehr unterhaltsam. Es gibt immer was zu sehen, man kommt vielleicht mit denen vom Nachbarbalkon in Kontakt und es gibt kleine Corona-Events wie Klatschen, Singen usw. … Aufm Dorf ist das eher nicht der Fall, wenn ich hier auf dem Balkon stehe und singe, ruft garantiert jemand die Polizei. Der einzige Kontakt zur Außenwelt ist das Internet (oder vielleicht noch das Telefon, aber wer telefoniert in Zeiten von WhatsApp eigentlich noch?). So klicke ich also, gefühlt im 10-Minuten-Takt, durch die sozialen Medien, um zu sehen, was die Anderen so machen, um zu sehen, ob die Welt sich noch dreht. Doch leider ist es auch out über sich selbst zu schreiben, und das, obwohl Facebook doch immer so nett fragt: „Was machst du gerade?“.

Alle posten Bildchen und Videos von anderen weiter, was zwar kurz unterhaltsam ist, aber ich danach noch immer nicht weiß, was meine Freunde, Bekannten, Kollegen und die Familie so treiben. Die Welt scheint gerade still zu stehen, als würde man betrunken im Bett liegen und ein Bein zum Bremsen des Karussells rausstellen. Mittlerweile weiß ich, was der Pocher gerade macht (lustige Video), auch wenn ich den nicht besonders leiden kann. Sämtliche Stars (und Möchtegerns) zeigen mir alle paar Stunden auf Instagram, wie sie ihre Quarantäne-Zeit totschlagen. Dabei wäre viel schöner zu sehen, was ihr tut. Meine sozialen Kontakte, mit denen ich auf soziale Distanz gehen muss, um die Welt zu retten.

Können wir uns denn beim Weltretten nicht ein bisschen gegenseitig zuschauen? Dann wäre es nur halb so einsam. Ihr müsst es nicht öffentlich tun, wenn ihr darauf nicht so steht. Aber schickt mir doch ein paar Fotos, eine Sprach- oder Videonachricht, ein paar gemeinsame Erinnerungen oder was auch immer euch in den Sinn kommt. Ein Brief, so zum Anfassen auf Papier, wäre auch eine super Sache (solange die Post noch liefert). Lasst uns doch etwas näher rücken, uns gegenseitig über die Schulter in unseren Knast schauen, bevor wir aus Verzweiflung anfangen Toilettenpapier zu stricken oder Z-Promis abonnieren. Ich rufe auf zu weniger Corona und mehr Individualität in den sozialen Medien und zitiere den großen Philosophen unserer Zeit, Facebook: „Was macht ihr gerade?“

Platz 31C braucht eine Kotztüte!

Gerade sitze ich im Flieger. „Der Start verzögert sich um etwa 10 Minuten“, lautet die Begrüssung, gefolgt von einem tief blickenlassenden Gähnen der Stewardess. Wir sind heute der letzte Flug der Crew und ich merke schon, sie sind gewillt, nochmals alles zu geben. Inklusive eines unschlagbaren Angebots: 50 % auf alle Sandwiches. Wer da nicht zugreift, ist selbst schuld.

Soeben wurden wir darauf hingewiesen, dass wir das Bordpersonal doch bitte informieren sollen, droht eines unserer mitgebrachten Geräte heiss zu laufen oder gar zu explodieren. Höm …okeeyyyyy.

Ich hasse das Fliegen. Früher war es mir egal. Scharf darauf war ich noch nie, aber es hat mich schlichtweg nicht interessiert wo ich rumsitze und mich langweile. Seit meinen letzten Flügen ist das anders. Schon beim Boarding läuft mir die süsse Angst im Mund zusammen, der Kreislauf verabschiedet sich, bleibt lieber auf der Erde zurück. Es setzt Schüttelfrost in Kombi mit Kaltschweiss ein und würde ich auch nur einen Mucks oder eine ruckartige Bewegung wagen, müsste die Kotztüte ihren Job erfüllen.

Leider Fehlanzeige beim heutigen Flug, denn es gibt keine. Ich habe sicherheitshalber auch die Sitztaschen meiner Nachbarn durchsucht, aber nichts. Dies ist ein kotzfreier Flug. Verdammt, dabei wäre ich gerade so in Stimmung.

Um mich abzulenken, die 10 Warteminuten sind noch nicht um, bestalke ich meine Mitflieger. Die friedhöfliche Kabinenbeleuchtung sorgt dafür, dass ich prima auf allen Handyscreens mitschauen kann. Samstagabend, 20.15 Uhr, die Primetime zum Filmchen gucken. Und genau das machen hier pro Dreierreihe auf alle Fälle mal zwei. Twitch live aus’m Fitnessstudio, Schminkanleitungen werden aus China übertragen und der Typ schräg vor mir chattet mit Bild (also Schreib-Skypen). Immerhin die Mutti mit Kopftuch daneben widmet sich Sinnvollem, nämlich einem Deutsch-Lernspiel.

Die Flugbegleiterinnen haben sich zur Safety-Show formatiert und warten auf ihren Einsatz. Unser hochmotiviertes Exemplar hier hinten in der Klo-Reihe gähnt nochmal genüsslich wie ein Löwe, bevor sie uns zeigt, wo wir reinblasen müssen, um im Meer zwischen Zürich und Berlin auch nicht abzusaufen. Das nimmt dir doch glatt die Angst.

Aber wie gesagt, das Fliegen ist mir eigentlich egal, ich hab’s ja nicht in der Hand und das Ticket habe ich tatsächlich freiwillig und selbst gebucht. Ich setze alle Hoffnung in die Kompetenz der müden Piloten, die die Strecke heute sicherlich schon so oft geflogen sind, wie die lapprigen Sandwiches. Mein Angstauslöser: Ich bin, auf engstem Raum, eingesperrt mit einer Horde von Idioten. Reihe 26 packt gierig sein Maxi-Menü aus, Reihe 29 öffnet die 2. Dose Bier, ein anderer geht schon vor dem Start aufs Klo und bleibt verschollen und dazwischen führt der ein oder andere ein unheimliches Selbstgespräch mit Gesichtsentgleisungen. Sowieso macht hier irgendwie jeder, was er will. Selbst die Stewardess hockt jetzt in der Ecke auf ihrem Notsitz und liest die russische Gala. Sollte ich beim Start panisch zusammenbrechen, möchte ich bitte von der Kopftuch-Mutti in Kittelschürze wiederbelebt werden. Von allen macht die den kompetentesten Eindruck. Oder Reihe 26 soll mir ein paar Pommes in den Mund schieben. Die Saftschubse – heisst das überhaupt so auf einem Billigflug, denn Saft gibt es ja gar nicht? – darf mir dann beim Kotzen die Haare halten. Sie sieht aus, als hätte sie damit Erfahrung. Zum Nachspülen bekomme ich dann sicher was von ihrem Wodka.

Aus dem Handy neben mir sind wir nun live in einen Club zugeschaltet, ja, irgendwo ist gerade immer eine wilde Party, die wir verpassen.

Meine Flugangst hat tatsächlich nichts mit Flugzeugen zu tun, oder mit der geringen Gefahr des tiefen Falls aus den Wolken. Vielmehr ist es der gesellschaftliche Absturz, der mir die Essensreste der vergangenen Stunden in die Backen jagt und mir schwindlig vor Augen werden lässt. Eingeschlossen mit einer nicht von mir getroffenen Auswahl an Psychos, irgendwo im Himmel der augenrollenden Stewardess ausgeliefert zu sein, gepaart mit Pommes-Schweiss-Aromen und im imaginären Beat nickenden Sitznachbarn ist wirklich nicht mein Wunschprogramm für den Samstagabend. Dann doch lieber die Frühlingshitparade der Volksmusik mit Hansi und Helene, denn die geben tatsächlich alles und anschliessend empfange ich das Wort zum Sonntag. Amen!

80:20

Guten Morgen, um 7:05 aus dem Zug Bern-Zürich. Gefühlt sind hier drinnen eine Million Grad, vielleicht sogar etwas mehr. Dazu riecht es nach Kräutern – hat jemand ein neues Shampoo? – als wären wir in der finnischen Sauna. So werden wir jetzt also, gemeinsam schwitzend, dem Zür’cher Hauptbahnhof entgegenschauckeln. 

Mein Magen findet das, im wahrsten Sinne des Wortes, zum kotzen und meine Augen halten bereits Ausschau, wo sich das am besten erledigen liese. Die Öffnung vom Mülleimer ist definitiv zu klein und zwischen der Toilette und meinem Mageninhalt liegt eine kurvige Treppe. Also sage ich mir „wo heute noch nix rein kam, kann jetzt auch nix raus“, und meditiere die aufsteigende Säure zurück nach unten. 

Es war noch nie so warm im Zug, wie es heute morgen ist. Nicht mal im Sommer, aber die SBB kämpft, im Gegensatz zur DB, ja auch nicht mit Klimaanlagen-Dauerstörungen. 

Ich erinnere mich an die guten alten Zeiten, damals, als man noch das Fenster im Abteil aufschieben konnte. Immer wenn ich den Kopf hinausstreckte hatte ich Angst, ein entgegenfahrender Zug würde mich köpfen (man hat eine blühende Phantasie als Kind, meine war blühend und blutig). Ist sowas denn jemals passiert? Wurden vielleicht deshalb die Fenster umgebaut? (Antworten dazu gerne an mich). 

Um an dieser Stelle mal auf den Titel des Beitrags zu kommen: 80:20. Heute gehöre ich einer Minderheit von gefühlt 20% an. Seit Tagen scheint die Sonne und das hat wohl das ganze Land heute seeeehr früh ausm Bett gelockt. Gefühlt trägt hier jeder, ausser mir, Skischuhe und Schneehosen. Im Tumult der Wintersportler bin ich bereits auf dem Bahnsteig untergegangen. Da muss ein geheimes Treffen sein, von dem ich mal wieder nichts weiss. Tztz, das merk ich mir. 

Also 80% der Menschen um 7:irgendwas Uhr sind heute auf dem Weg in die Berge, wo sie von Sonne und Schnee erwartet werden. Ich würde ja mitkommen, muss aber in die Schule. Ausserdem habe ich nicht die passenden Klamotten, sorry.  

Ich habe tatsächlich mit 6 Jahren meinen ersten Skikurs gemacht, wusstet ihr das? Ich weiss es manchmal auch nicht mehr, aber tatsächlich habe ich früher ja einfach mal alles ausprobiert. Skischule, Schwimmverein, Rhythmische Sportgymnastik, Musikverein, Tanzschule… kein Wunder hat das mit der Schule nicht so hingehauen, es gab einfach so viel Besseres zu tun 🙂 

Einmal habe ich mich aufs Snowboard getraut. Ich war davon überzeugt, wenn ich auf 2 Brettern den Berg runter komme dann muss das auch auf einem zu schaffen sein. Ich hatte nur nicht daran gedacht, dass meine Skifahrkunst darin bestand, im Pflug über den Schnee nach unten zu rutschen gepaart mit einer panischen Angst, sobald ich an Tempo gewann (da wären wir wieder bei meiner blutigen Phantasie). Nun auf einem Brett gibt es keinen Pflug. Als ich das merkte und dazu noch feststellen musste, dass ich, anders als erwartet, kein Snowboard-Naturtalent war, hat mich ein Wutanfall gepackt. Ich habe mir das Board von dem Füssen gerissen und es den Berg runter geschupst. „Da hast du ’s, du Arschloch!“ Voller Wut auf meine nicht vorhandene Begabung bin ich motzend hinterhergestapft, habe es unten wieder eingesammelt und beim Verleih in Ski umgetauscht. Dann doch lieber pflügen. 

Der Magen hat sich beruhigt, man muss nur wissen sich ab zu lenken, und ich entlasse euch ins verdiente Wochenende. Der Schaffner bahnt sich gerade den Weg über herumliegende Rucksäcke, Stöcke und Bretter – es ist 7:30 Uhr, bestimmt kommt er, um den Saunaaufguss zu machen. Ich wünsche den 80% gutes Gelingen, geniesst die Sonne für mich mit, ich lerne solange was über „Content-Marketing“, denn auch heute habe ich noch tausend Interessen…am Montag geht’s schon wieder mit einer neuen Idee weiter… 

Schönes Wochenende und immer schön vorsichtig im Pflug fahren 😉 

Sind wir nicht alle …

Nun ist also Januar. Der Monat, in dem uns jeder fit und schlank und gesund machen möchte. Wir haben Vorsätze und alle wollen was davon abhaben. Also nicht von unserem Alt-Fett oder unseren Altlasten, nein, eher von unserer Motivation und unserem Geld. Also ran ans Portemonnaie, ach ne sorry, an den Speck!

Euch ist sicher auch aufgefallen, dass die Werbung voll ist mit Shakes, Videos, Apps und anderen Wundermitteln, die dieses Jahr zu unserem Besten werden lassen. Wir müssen nur JETZT handeln. Sofort. Nur einen Klick entfernt sind wir vom perfekten Jahresstart. Wenn nicht jetzt, im einstelligen Januar-Bereich, dann wird das nichts mehr, das ist sicher. Nur wer sofort auf den Stepper steigt, umgehend die bösen Kohlehydrate vom Speiseplan verbannt und jetzt JA sagt zu Abo, App und Altersvorsorge, der kann 2019 ganz vorne dabei sein.

Warum lassen wir uns so gut an unseren Vorsätzen packen? An unserem schlechten Gewissen? An der Scham dafür, im letzten Jahr wieder nicht alles erreicht zu haben und an der Angst vor der wachsenden Gute-Vorsatz-Liste? Warum ist es uns nicht scheissegal, ob da ein Wohlstandsröllchen über dem Gürtel hockt? Oder, wenn es stört, warum hat das Polster am 1. Januar mehr Wichtigkeit als am 23. Juni?

Aber dieses Jahr wird alles besser! Ja, 2019 werden wir alle krass und sexy – so versprechen es uns zumindest die vermeintlichen Vorbilder, die es (was eigentlich?) geschafft haben. Aber sind wir denn nicht schon krass? Sexy seid IHR sowieso alle, denn ihr lest meinen Blog.

Wir sind krass, denn wir ertragen dieses Leben, das doch immer schneller wird und uns fast täglich überholt. Eben hat man uns noch gesagt, dass wir schlemmen dürfen, schliesslich weihnachtet es sehr, und jetzt, vier Tage später predigen alle das Gegenteil. „Mund zu, es liegen böse Kalorien in der Luft.“ In gut vier Wochen dürfen wir dann immerhin wieder saufen bis zum Umfallen, wenn die närrische Zeit beginnt. Rauf auf den Tisch, Hände in die Luft und atemlos durch die Karnevalsnächte. Eine Runde Tequila für alle, die Gürtel werden in allen Bereichen wieder gelockert, um sie dann, wenige Tage später, ins letzte Loch zu schnallen. Die Fastenzeit beginnt. Halleluja! Nach den nackten Karnevalsbusen ist jetzt Busse angesagt.

Die Scham ist zurück. Für alles Mögliche sitzen wir auf unserer imaginären stillen Treppe und halten den Kopf geduckt. Bestrafen unseren Körper für die Schwächen des Geistes. Aber was kann denn der Körper jetzt dafür? Das ist etwa so, wie wenn der Bruder den Kirschkern quer über den Tisch an Opa Helmuts Kopf spuckt und ich dafür Fernsehverbot bekomme. Nachtrag im Protokoll 1989: Ich wars nicht!

Nach 40-Fastentagen ist es dann überstanden und wir dürfen dem Hasen mit dem Messer an die Löffel. Nachdem wir uns dann die letzten Likörreste der Erwachsenen-Eier aus den Mundwinkeln gewischt haben, bekommen wir schon wieder eins mit der Gewissensbratpfanne übergezogen. Es ist Ende April und die Sommerfigur ist noch im Winterschlaf. Verdammt! Das war doch das Januarprojekt: Sommerbody 2019! Wir wollten ganz vorne dabei sein in diesem Jahr. Unserem Jahr. Schaffen wir das noch? Welches ist noch gleich die Wunder-App, der Klick zum Figur-Glück? http://www.Last-Minute-Sommerkörper-2019.com?

Aber eigentlich, wenn wir es uns recht überlegen, ist es doch schon zu spät. Diese Quälerei lohnt sich jetzt auch nicht mehr. Essen wir lieber schnell die restlichen Schoggeier auf. Eigentlich könnten wir den Sommer auch mal nach Skandinavien fahren, soll schön sein dort. Der Bikini bleibt dann zu Hause und kommt erst 2020 zum Einsatz. Ja, 2020 wird dann alles besser, da machen wir uns direkt am 1. Januar krass. Ach ne, da ist Feiertag, ausserdem müssen da die Raclette-Reste noch gegessen werden. Dann aber am 2. Januar! Ganz sicher! In diesem Jahr ist es einfach schon zu spät, noch krass und sexy zu werden – aber 2020, das wird unser Jahr!

Wackeldackel statt WM-Fähnchen

Der kleine Deutschland wurde aus dem russischen Bällebad verbannt. Mutti Angie und Papa Jogi sind nicht amused darüber, werden es aber verkraften. Hier läuft ja schon lange nichts mehr rund, wieso also der Ball?

Wie ihr sehen könnt, gibt es auch wunderschöne Auto-Deko-Alternativen zu den WM-Fähnchen und Spiegel-Kondomen. Die Klassiker haben diesen Sommer eine neue Chance bekommen. Jetzt wo das Sommermärchen ausbleibt, kann sich der Wackeldackel mal wieder aus seiner Hütte trauen. Lange genug wurde er dort weggesperrt und verleugnet. Und da Häkeln ja bekanntlich das neue Yoga ist, würde ich vorschlagen: ran an das Wollknäuel. Ihr müsst ja nicht zwangsläufig WC-Rollen umhäkeln (falls ihr das tut, schickt mir doch bitte Fotos eurer Ergebnisse).

Ja, das Sommermärchen fand ein schnelles Ende, so in der Art: „Es war einmal eine Nationalelf und wenn sie nicht gestorben sind, dann kicken sie noch heute (daneben)“.

Immerhin bleibt jetzt Zeit sich (noch) mehr über die Politik, die Nachbarschaft oder die unfreundliche Kellnerin zu ärgern. Im Ärgern sind wir ja, immerhin, weiterhin Weltmeister. Das nimmt uns keiner.

Und jetzt alle einstimmen „…eins kann uns keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben!“.

Warum muss das Märchen denn mit Fußball zu tun haben? Ich erinnere mich nicht daran, dass die Gebrüder Grimm jemals mit einem Lederball spielten. Der Froschkönig hatte ne goldene Kugel, oder war es die Prinzessin? Warum also das Märchen des Sommers 2018 abhängig machen von einem schwarzen-weißen Dingsbums? Lasst uns unser eigenes Märchen schreiben. Auf in den Märchenwald!

Knipst den Beamer aus, klappt die Großleinwand zusammen, das Sommermärchen wartet auf uns.

“Oh those summer nights.“ – „Tell me more, tell me more.“

Happy Summer 2018
Eure Effi 🌼